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.NET Professionals im Profil: Neno Loje

Montag, 15. März 2010, 09:37 Uhr
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Neno Loje ist Technologieberater und Wissensvermittler für den Softwareentwicklungsprozess sowie erster Microsoft Most Valuable Professional für Visual Studio Team System in Europa. Als zertifizierter TFS-Experte unterstützt er Firmen bei der Einführung vom Team Foundation Server - von der Entscheidung über die Migration bis zur individuellen Anpassung. Sie erreichen ihn über sein Blog.

Golo Roden: Neno, wie bist Du zur Softwareentwicklung gekommen? Wie und wann hast Du angefangen?

Neno Loje: Das ist eine gute Frage. Seitdem ich denken kann, wusste ich, dass ich mal was "mit Computern" machen möchte, und die meisten denken ja auch heute noch genau das: Er macht etwas "mit Computern". Ich glaube, ich war damals sogar so klein, dass ich noch gar nicht wusste, was ein Computer ist, doch das sollte sich zuerst dank eines C64 und später dann in der Schule ändern. Mit 12 oder 13 Jahren gab es den ersten freiwilligen Computerkurs in der Schule, ein Jahr später den ersten Programmierkurs, mit der Programmiersprache Profan. Als ich das Gefühl hatte, alle Möglichkeiten eben dieser ausgereizt zu haben, folgten Visual Basic 4 in 16 und 32 Bit, Visual Basic 5 und 6.

Als ich mich nach dem Abitur auf die Suche nach einer Stelle als Programmierer, so hieß es auf "Altdeutsch", bewarb, war ich schon Autor in der basicpro – doch die Anforderungen der Projekte, die ich bis zum damaligen Zeitpunkt umgesetzt hatte, kamen ausschließlich von mir selbst. Eine tolle Zeit.

Nach ein paar Wochen im Job als Softwareentwickler auf Vollzeit kamen mir aber schon Zweifel: Will ich den Rest meines Lebens damit verbringen, Softwarebugs in altem, schmierigen Code zu beheben? Glücklicherweise durfte ich bei zahlreichen Projekten auf einer recht grünen Wiese anfangen, sodass ich diesen Gedanken nicht weiterzuspinnen brauchte.

Golo Roden: Du wurdest von Microsoft als erster MVP für Team Foundation Server in Europa ausgezeichnet. Wie kam es dazu, dass Du Dich speziell mit dem Team Foundation Server beschäftigt hast?

Neno Loje: Die Geschichte vom Team Foundation Server begann vor etlichen Jahren in den USA. Microsoft lieferte Windows als Anwendungsplattform sowie Visual Studio - und damals noch Visual Basic - an die Softwareentwickler und Softwarehäuser aus, damit diese sinnvolle Anwendungen für Windows schreiben konnten. Und obwohl Microsoft beide Produkte ständig weiter verbesserte, kam von den Kunden die Rückmeldung, dass nicht Visual Studio - sprich der Compiler, Debugger oder die Frameworks - schuld daran waren, dass es zum Teil sehr schwierig war, die Anforderungen umzusetzen, sondern vielmehr lag es an anderen Faktoren, wie der Zusammenarbeit im Team, der eingesetzten, häufig produktionsähnlichen Entwicklungsprozesse und mangelnder Qualitätssicherung, warum Projekte nicht so erfolgreich, pünktlich und kosteneffizient abgelaufen sind, wie man es sich gewünscht hatte.

Microsofts Antwort war ein Produkt, welches alle an der Softwareentwicklung beteiligten Menschen umschließt: Projektleiter, Architekten, Entwickler, Tester, ... Die ersten, die das neue Produkt zu Gesicht bekommen sollten, waren amerikanische Firmen, schließlich waren diese aus Microsofts Sicht einfach näher dran. Irgendwann kam eine Roadshow, die auch in München am Flughafen kurz halt macht. Da ist es dann passiert. Mir wurde klar: Ja, dieser Ansatz ist in der Lage, einigen Projekten wirklich zu helfen - und keine neue Programmiersprache der Welt vermag es, eben diese Probleme zu lösen.

Dass ich dann in Europa als erster MVP ausgewählt wurde, zur Kategorie "Team System" zu wechseln - ich war damals C# MVP - und mit der Produktgruppe zusammenzuarbeiten, war eine Abfolge von Zufällen beziehungsweise ich war zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

Golo Roden: Für wie wichtig erachtest Du die Beschäftigung mit Infrastrukturthemen wie Versionsverwaltung, Buildserver, ... für einen Anfänger?

Neno Loje: Enorm wichtig! Und ich glaube, für die Anfänger wird das auch zunehmend normaler. Wir kommen noch aus einer Zeit, wo strukturierte Fehlerbehandlung von einigen Visionären in dunklen Kellerräumen gepredigt wurde. Heute ist das völlig normal.

Auch denken wir viel zu häufig nicht als Team, da der Programmierer früher schließlich alles selbst gemacht hat - und auch die volle Herrschaft über den Rechner hatte. Heute gibt es kleine und große Teams, und selbst in 1-Mann-Projekten arbeitet man zumindest mit Leuten zusammen, welche die Anforderungen diktieren oder die Ergebnisse später prüfen und / oder verteilen. Der moderne Softwareingenieur, der seinen Beruf als eine professionelle Entwicklungsdisziplin sieht, die durchaus noch eher kreative Züge hat, für den sind viele Techniken wie Unit Tests zur technischen Überprüfung seines Werks normales Handwerkszeug. Statt einem Schraubenzieher nutzt er Versionsverwaltungssysteme und Buildserver, beziehungsweise optimalerweise ein System, welches den gesamten Application Lifecycle abdeckt, wie den TFS.

Golo Roden: Ein wesentliches Merkmal der IT ist, dass man beständig mit neuen Entwicklungen konfrontriert wird, und diesen folgen muss. Woher nimmst Du die Motivation, Dich quasi jeden Tag weiterzubilden und mit Neuem zu beschäftigen?

Neno Loje: Mein Beruf ist es ja Wissen zu vermitteln, insofern muss ich, noch etwas eher als ich es früher als Software-Entwickler tun musste, mich ständig und überall fortbilden. Ich habe zwei konkrete Alltagsbeispiele, die ab und zu in ähnlicher Form wiederkehren, die dafür sorgen, dass meine Motivation nicht erlischt:

Ich hielt einen Vortrag, den ich schon unzählige Male gehalten hatte, stets bemüht, ihn dennoch ein wenig mit Begeisterung zu vermitteln. Danach kam ein Entwickler zu mir und sagte: "Ich habe monatelang versucht, die Zusammenhänge zwischen den ganzen Technologien zu verstehen. Nach diesem Tag mit Ihnen ist mir alles klar. Danke dafür!". Er strahle über das ganze Gesicht und schien sich sehr zu freuen.

Das zweite Beispiel basiert auf klassischer Softwareentwicklung: Ich hatte nach einigen Diskussionen und Bemühungen meinerseits unseren Großkunden überredet, einen neuen Weg zur Softwareverteilung auszuprobieren. Die dafür zuständige Abteilung war permanent ausgebucht und brauchte verhältnismäßig lange für die Überprüfung und Bereitstellung von Updates. Nach einigen Wochen kam einer der skeptischsten Mitarbeiter der IT-Abteilung zu mir und sagte: "Seitdem wir die Software nach der neuen Methoden verteilen können, haben wir statt mehrerer Tage nur wenige Stunden Arbeit und können häufiger pünktlich nach Hause."

Golo Roden: Wenn sich ein Anfänger heute mit dem Thema Softwareentwicklung befassen will – welche Voraussetzungen sollte er Deiner Meinung nach dafür mitbringen, und was siehst Du als No-Go an?

Neno Loje: Ich glaube, aus den beiden eben genannten Beispielen sieht man ganz gut, dass ein Stück "Weltverbesserer" gerne in einem Entwickler stecken darf. Er sollte nicht bloß umsetzen, was ihm vorgesetzt wird, sondern in der Lage sein, das Kundenproblem zu analysieren und eine optimale technische Lösung anzubieten, statt sich mit traditionell gewachsenen und häufig veralteten Strukturen und Abläufen zufrieden zu geben.

Aber letztlich soll Software immer dem Kunden dienen. Deshalb ist es absolut notwendig, dass Softwareentwickler kundenorientiert denken und arbeiten. Ein ausgeprägtes Qualitätsbewusstsein und zwangsläufig permanente Lernbereitschaft tun den Rest. Auch wird kaum mehr Software alleine im Stillen Kämmerlein entwickelt: Teamfähigkeit wird also immer mehr erwartet und gefordert.

Golo Roden: Bei der Vielzahl an Technologien, die es heute gibt: Womit sollte ein Anfänger heutzutage anzufangen?

Neno Loje: Technologien kommen und gehen. Häufig entscheidet der erste Arbeitgeber beziehungsweise die Uni, was man sich ansieht. Die konkrete Sprache oder Technologie ist auch nicht entscheidend. Die Fähigkeit zu wissen, wie man sie erlernt ist wichtig. Bei mir klappt das mit dem Lernen - und vor allem dem Behalten - nur, wenn mich die Materie auch irgendwie interessiert. Es ist deutlich einfacher, eine Datenbankvorlesung an der Uni zu bestehen, wenn man vorher schon in richtigen Projekten Datenbanken, ihren Nutzen und ihre Eigenheiten kennengelernt hat. Sonst wäre das so, als würde man in einem theoretischen Technologievortrag über die Funktionsweise einer Weltraumfähre sitzen ...

Golo Roden: Welchen Rat würdest Du einem Anfänger abschließend mit auf den Weg geben?

Neno Loje: Es ist eine tolle Zeit, um Softwareentwickler zu werden! Alles fällt leichter, wenn man die Tätigkeiten wirklich gerne mag, wenn man sich wie ein kleines Kind freut, wenn man sieht, wie sich das Projekt von Version zu Version weiterentwickelt und wächst, und die automatischen Tests alle grün leuchten. Will man gut gerüstet sein als Softwareentwickler für das nächste Jahrzehnt, sollte man nicht nur programmieren können, sondern seinen Job "professionell" ausführen. Dazu gehören insbesondere Prinzipien, Werte und Vorgehensweisen. Als Startadressen können hier beispielsweise Was macht einen professionellen Software-Entwickler aus? von Stefan Lieser und das Schulungs- und Zertifizierungsprogramm: Professional Scrum Developer Program dienen.

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