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.NET Professionals im Profil: Christian Wenz

Montag, 15. Februar 2010, 09:37 Uhr
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Christian Wenz ist Autor, Trainer und Berater mit Schwerpunkt Webentwicklung und Websicherheit sowie Mitbegründer der Hauser & Wenz Partnerschaftsgesellschaft. Als Buchautor veröffentlicht er seit fast zehn Jahren zu allen wichtigen Webthemen. Er hat zahlreiche Fachartikel verfasst und spricht regelmäßig auf Entwicklerkonferenzen im In- und Ausland. Als Teilhaber der Agentur Arrabiata Solutions GmbH leitet er Entwicklungsprojekte und führt Security-Audits durch. Sie erreichen ihn über seine Webseite.

Golo Roden: Christian, wie bist Du zur Softwareentwicklung gekommen? Wie und wann hast Du angefangen?

Christian Wenz: Indirekt hat mich mein Vater dazu gebracht. Er war Richter und hat auch Rechtspfleger ausgebildet. Unter anderem hat er da auch Zeugnisse erstellen müssen, in denen immer dieselben Textbausteine, abhängig von der Prüfungsnote, zum Einsatz kamen. Dies erledigte er irgendwann auf einem C128 mit PROTEXT. Mich hat da natürlich zunächst eher der ebenfalls eingebaute C64 interessiert.

Für Summer Games und Winter Games gingen mehrere Joysticks drauf. Letztendlich entwickelte ich aber auch ein Interesse für BASIC, und in der Schule gab es dann einen Informatikkurs, in dem mit Pascal gearbeitet worden ist. Programmieren machte mir Spaß, ich habe auch ein paarmal am Bundeswettbewerb für Informatik teilgenommen und so lag es nahe, das Hobby irgendwann in welcher Form auch immer zum Beruf zu machen.

Ich habe bereits nach der Schule als Entwickler gearbeitet; Informatik hatte ich dann später parallel studiert, weil ich gehört hatte, man müsse da nicht programmieren. Hat zu großen Teilen sogar gestimmt.

Golo Roden: Zusammen mit Tobias Hauser hast Du die Hauser & Wenz Partnerschaftsgesellschaft gegründet. Wie kam es dazu?

Christian Wenz: Tobias kenne ich aus der Schule. Bereits kurz danach haben wir mit einem dritten unserer Altersstufe eine kleine Webagentur gegründet und dort doch recht beachtliche Anwendungen auf die Beine gestellt. Währenddessen habe ich auch bei einer größeren Münchner Agentur angeheuert und habe dort ein paar Jahre lang an ziemlich großen Projekten gearbeitet und hatte am Ende richtig viel Verantwortung.

Parallel habe ich angefangen, erste Bücher und Artikel zu schreiben, und später auch Tobias mit diesem „Virus“ infiziert. Als ich 2002 einmal eine Pause vom aufreibenden Agenturalltag einlegen wollte und wir beide in Hinblick auf die Wissensvermittlung eh sehr erfolgreich waren, haben wir beschlossen, unsere Zusammenarbeit auch firmentechnisch auf eine solide Basis zu stellen.

Letztendlich sind wir aber 2005 wieder zurück auf die Projektschiene gewechselt und haben zusammen mit drei weiteren Partnern die Arrabiata Solutions GmbH gegründet. Unsere Themen sind das klassische Webagenturgeschäft, vom Design über die Implementierung bis hin zur Wartung, aber auch zahlreiche Beratungstätigkeiten, beispielsweise im RIA- oder SEO-Umfeld oder bei der Technologiewahl und Onlinestrategie.

Zu unseren Kunden zählen international ausgerichtete Mittelständler und Großkonzerne, die Aufgaben sind also stets sehr spannend. Meine aktuellen Aufgabengebiete sind Performanceoptimierung von Websites, LOB-Anwendungen im Browser, Web Application Security und mobile Anwendungen.

Golo Roden: Ein wesentliches Merkmal der IT ist, dass man beständig mit neuen Entwicklungen konfrontriert wird, und diesen folgen muss. Woher nimmst Du die Motivation, Dich quasi jeden Tag weiterzubilden und mit Neuem zu beschäftigen?

Christian Wenz: Ich arbeite gerne als Wissensvermittler. Dazu gehört es eben auch, immer über aktuelle Entwicklungen informiert zu sein um am Ball zu bleiben. Allerdings denke ich, dass ich ein eher mittelmäßiger Autodidakt bin. Ich muss mich also mit einer Sache schon beschäftigen, um später qualifiziert beurteilen zu können, ob sie mich oder meine Kunden weiter bringt oder nicht.

Das treibt mich natürlich immer wieder an, neues Wissen zu erarbeiten und nicht nur oberflächlich aufzusaugen. Außerdem sehe ich immer wieder, dass ich auch von den Erfahrungen der Vergangenheit profitieren kann.

Der Ajax-Boom ab 2005 kam mir insofern sehr gelegen, weil ich fast zehn Jahre vorher angefangen hatte, JavaScript einzusetzen. Bei der aktuellen Debatte rund um Silverlight finde ich unsere Projekterfahrung mit Flash sehr wertvoll, weil einige Ansätze und Einschränkungen freilich sehr ähnlich sind.

Golo Roden: Wenn sich ein Anfänger heute mit dem Thema Softwareentwicklung befassen will – welche Voraussetzungen sollte er Deiner Meinung nach dafür mitbringen, und was siehst Du als No-Go an?

Christian Wenz: Wichtig sind zum einen Neugier und auch der Wille, sich mit der Thematik zu beschäftigen. Gerade Programmiersprachen vergeben nur wenige Fehler, das Frustpotenzial ist hoch. Etwas komisch klingt vielleicht noch, dass man ein Faible für Mathematik und Logik haben sollte. Denn da verhält es sich ähnlich wie in der Programmierung: es gibt klare Regeln und abstraktes Denken ist gefordert.

Das soll natürlich nicht heißen, dass man für die Arbeit als Softwareentwickler den Beweis für den großen Fermatschen Satz nachvollziehen und täglich zwanzig Sudokus im Kopf lösen können sollte, das trifft auch beides auf mich nicht zu – aber wenn in der Schule der Dreisatz schon eine gewisse Hürde darstellte, hat man es auch als Entwickler schwer. Heutzutage ist es – allein schon dank der verfügbaren Dokumentation und Google – sehr einfach, ein irgendwie funktionierendes Programm zu schreiben. Im beruflichen Umfeld spielt die Softwarequalität jedoch eine große Rolle. Und dazu braucht man – meiner Meinung nach – ein „Händchen“ für Mathe & Co.

Golo Roden: Welche Rolle spielt Engagement in der Community für Anfänger – so wohl aus Deiner wie auch aus deren Sicht?

Christian Wenz: Ich denke, das hängt von der Art der Community ab. Beispiel Usergroups: Ich schaffe es ja leider viel zu selten zu den Usergroups denen ich angehöre, im .NET-Umfeld beispielsweise MunichDot.NET, aber die Diskussionen dort sind immer sehr spannend und vielschichtig – fast noch besser als auf Konferenzen. Ein blutiger Anfänger würde sich da allerdings eher schwer tun.

Geht es um Community im Sinne von Blogs, Websites, Wikis und Foren, dann sind diese natürlich heutzutage unverzichtbar. Wobei ich persönlich ganz ehrlich gestehen muss, dass ich zum Beispiel keine Blogreader-Software mehr verwende. Es gibt zu viele interessante Blogs, und ich habe zu wenig Zeit. Um nicht ein zu langes Backlog zu bekommen, besuche ich eine Reihe von Blogs unregelmäßig, aber dennoch häufig; für wichtige andere Neuerungen und Informationen verlasse ich mich auf Suchmaschinen und Twitter.

Wenn ich mich zurück erinnere, wie ich damals mit der Entwicklung angefangen habe und welche Recherche- und Hilfemöglichkeiten es damals gab, so bin ich schon sehr froh, was heute alles zur Verfügung steht. Da ich sehr viel aus der Community ziehe, halte ich es für selbstverständlich, ebenfalls beizutragen. Ich veröffentliche ziemlich viel, spreche sehr gerne vor Usergroups, auch über das INETA Speaker’s Bureau, organisiere und plane technische Veranstaltungen mit und trete natürlich vor allem auf Konferenzen auf. Das Schöne an funktionierenden Communitys: Nur wenige möchten nur bedienen; die meisten tragen nach ihren Möglichkeiten bei. So ist am Ende jeder etwas schlauer als vorher.

Golo Roden: Bei der Vielzahl an Technologien, die es heute gibt: Womit sollte ein Anfänger heutzutage anzufangen?

Christian Wenz: Zum Glück gibt es heutzutage für fast jede Sprache Möglichkeiten, kostenlos mit (fast) professionellen Mitteln zu entwickeln, seien es Microsofts Express Editions oder Eclipse samt seiner verschiedensten Plugins. Ich würde zunächst die Grundlagen der Programmierung lernen, am besten mit besonders einsteigerfreundlichen Sprachen, beispielsweise (Visual) Basic oder auch PHP.

Sobald die Grundlagen sitzen, würde ich mich recht schnell entscheiden, an welcher Art von Anwendungen ich im nächsten halben Jahr experimentieren will: Web? Fat Client? Mobile?

Dahingehend würde ich dann eine Sprache und/oder Technologie aussuchen. Ich denke, die „klassische“ Meinung ist, dass man mit einer „Lehrsprache“ wie etwa Pascal beginnen, alle wichtigen Grundlagen lernen und dann das Wissen auf jede beliebige andere Technologie übertragen sollte. Ich bin ja einen ähnlichen Weg gegangen.

Aber ich denke, es motiviert mehr, wenn man sein sich aufbauendes Wissen gleich in praktische Ergebnisse umsetzen kann. Übrigens konnte ich das damals sogar, denn Pascal war „in“ und Anwendungen eh meist nur Konsolenapplikationen.

Golo Roden: Neben .NET beschäftigst Du Dich auch mit PHP. Wo siehst Du die Stärken und Schwächen der jeweiligen Plattformen?

Christian Wenz: Typische Berater-Antwort: „Hängt davon ab“. Prinzipiell ist PHP natürlich von der Marktverbreitung her aktuell die unangefochtene Nummer 1. Beispiele wie Yahoo! und Facebook zeigen, dass sich Enterprise und PHP keineswegs ausschließen.

PHP ist sehr funktionsreich, performant, einsteigerfreundlich, wird durch eine extrem große Community unterstützt – und ist leider historisch gewachsen. ASP.NET ist etwa fünf Jahre jünger und mir gefällt der Steuerelementsansatz, der PHP im Wesentlichen fehlt. Allerdings gibt es auch einige webuntypische Einschränkungen und Eigenheiten, die gerade im klassischen Agenturalltag zu Stirnrunzeln führen.

Wir haben in beiden Technologien große Projekte erfolgreich umgesetzt. Mehr „Massengeschäft“ machen wir allerdings im PHP-Umfeld, insbesondere da es dort mehrere vernünftige freie Content-Management-Systeme gibt. Die Entscheidung welche Technologie es im Projekt letztendlich wird, hängt immer von mehreren Faktoren ab, unter anderem der bisherigen Systemstruktur des Kunden, dem Skillset der Entwickler, falls es nicht die eigenen sind, politisch motivierten Präferenzen und so weiter.

Golo Roden: Welchen Rat würdest Du einem Anfänger abschließend mit auf den Weg geben?

Christian Wenz: Neugierig sein. Kleine Schritte machen. Sich nicht von didaktisch miesem Lernmaterial und von zu anspruchsvollen Koryphäen frustrieren lassen – viele Veröffentlichungen haben ungeplant arg hohe Voraussetzungen. Und vielleicht nochmal das mit dem Dreisatz üben.

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