Nachdem ich vor einigen Monaten das ausgesprochen lesenswerte Buch Geschichten vom Scrum von Holger Koschek gelesen habe, habe ich mir in den vergangenen Tagen Agile Softwareentwicklung mit verteilten Teams von Jutta Eckstein als Lektüre vorgenommen.
Der Beschreibung nach richtet sich das Buch an
Entwickler und Manager, die auch in einer verteilten Umgebung die Vorteile agiler Entwicklung nutzen
möchten. Als Basis dient dem Buch dabei das Agile Manifest, auf das im Verlauf immer wieder Bezug genommen wird.
Agile Softwareentwicklung mit verteilten Teams führt als Grundlage zudem den Begriff des Featureteams ein, wobei ein solches derart definiert wird, dass ein Team nicht an Hand technischer Kompetenzen, sondern an Hand gemeinsam bearbeiteter Features domänenübergreifend gebildet wird.
Ausführlich beschreibt Jutta Eckstein im weiteren Verlauf dann, wie die Kommunikation von verteilten und verstreuten Teams gewährleistet werden kann, worauf dabei geachtet werden muss, und welche gemeinsame Infrastruktur erforderlich ist.
Zudem werden einige Praktiken aus dem Extreme Programming angesprochen, die für den erfolgreichen Einsatz im Rahmen von verteilter Entwicklung adaptiert werden müssen – wie beispielsweise Pair Programming und Collective Code Ownership.
Vieles von dem, was in dem Buch beschrieben wird, ist nachvollziehbar und entspricht letztlich naheliegenden und logischen Ideen, angewandt auf agile Methoden.
Einige Themen werden jedoch meines Erachtens überbewertet – so wird beispielsweise wiederholt darauf hingewiesen, wie wichtig es sei, über verschiedene Kontinente verteilte Teams regelmäßig vollständig zueinander zu bringen, um das Gemeinschaftsgefühl zu stärken.
Die Erfüllung dieses Vorschlags mag wünschenswert sein – in der Praxis ist dies jedoch absolut unrealistisch, da es schlicht und ergreifend zu teuer und zeitlich nicht möglich ist, alle paar Wochen komplette Teams zwischen verschiedenen Kontinenten hin- und herfliegen zu lassen.
Außerdem gibt es Themen, die das Buch höchstens anschneidet, im Großen und Ganzen aber ignoriert: So wird die Problematik von Teams, die sich in verschiedenen Zeitzonen befinden, zwar angesprochen und somit als existent anerkannt – wirkliche Lösungsvorschläge hierfür finden sich allerdings kaum bis gar nicht.
Alles in allem ist Agile Softwareentwicklung mit verteilten Teams damit vor allem zu lang – 240 Seiten sind schlichtweg zu viel für die wenigen nicht-naheliegenden Ideen, die vermittelt werden.
Außerdem fällt die schlechte Grammatik der Autorin sehr negativ auf – an zahlreichen Stellen fehlen Kommata, was den Lesefluss erheblich stört, da man auf diese Art etliche Sätze mehr als ein Mal lesen muss, um ihre eigentliche Bedeutung zu erfassen.
Kurzum: Die übrigen Bücher zu agilen Methoden aus dem dpunkt.verlag wie Extreme Programming oder Geschichten von Scrum sind bedeutend besser – auf weniger Seiten vermitteln sie mehr konkretes Wissen, sind fehlerfrei und nicht dermaßen trocken geschrieben und lesen sich insgesamt flüssiger.